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Gedanken zum Projekt

Kulturweg.Gais – ein Projekt der besonderen Art.

Ein Dreiklang von:

•    Kunst
•    Geschichte
•    Natur

Die erste Phase sieht die Verwirklichung des Rundweges um Schloss Neuhaus vor, mit dem Schwerpunkt Kunst und Literatur. Aber auch die beiden anderen Dimensionen schwingen mit. Man denke nur an die bewegte Geschichte von Schloss Neuhaus und an die beeindruckende Formensprache der Natur entlang des Weges. Die Vorstellung, die uns beseelt, muss immer ein harmonisches Ganzes sein. Eine Kulturlandschaft im Wandel der Zeiten. Ein Ensemble, das durch Einfachheit und Schönheit besticht. Und dieses Juwel soll nun mit Kunstwerken angereichert werden, welche die großen Dichter und Künstler, die in Gais gelebt und gewirkt haben, aus der Vergessenheit wieder ins Leben, in das Gedächtnis der Ortsbevölkerung und der Feriengäste zurückholen. Die Namen lassen die Herzen der Liebhaber der schönen Künste höher schlagen. Es sind:
•    Oswald von Wolkenstein – der Minnesänger
•    Ezra Pound – die Kultfigur der amerikanischen Literatur im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert und seine Tochter Mary de Rachewiltz
•    Die Künstler Bacher

Im Kulturführer Kulturmeile Tauferer Ahrntal formuliert es Rudolf Tasser treffend mit den Worten:
„Es gibt wenige Burgen im Alpenraum, die man einem Minnesänger zuordnen kann. Neuhaus ist eine davon. Oswald von Wolkenstein, romantisierend zum letzten Minnesänger erkoren, war Pfleger auf Neuhaus und ein bisschen dort im Exil. Dass es Jahrhunderte später noch einmal einen großen Dichter nach Neuhaus verschlagen hat, mag Zufall sein, aber heiligeren literarischen Boden als hier am Burgberg zu Gais gibt es seitdem im Raum Tirol kaum, solange wir Walther von der Vogelweide nicht endgültig und zweifelsfrei im Lajener Ried festmachen können.“

Unser Projekt würdigt die Leistungen dieser Künstler, unabhängig davon, wie man zu ihrer Lebensgeschichte und zu ihrer politischen Einstellung stehen mag. Ihre Werke haben eine Strahlkraft, die weit über Gais und über die Grenzen unseres Landes hinausreicht. Diese gilt es, neu zu entdecken. Das versuchen wir in erster Linie mit diesem Wettbewerb und den hier ausgestellten und prämierten Werken der beteiligten Künstler, das soll aber in Zukunft auch durch periodische Veranstaltungen zum Thema Kunst und Literatur erfolgen. Unsere Absicht kann niemand besser auf den Punkt bringen als R. Maria Rilke, der einmal geschrieben hat:
„Ach, aber mit Versen (und mit Kunst – Anm. des Autors!) ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluss, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen. Um eines Verses willen muss man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muss die Tiere kennen, man muss fühlen, wie die Vögel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen. Man muss zurückdenken können an Wege in unbekannten Gegenden, an unerwartete Begegnungen und an Abschiede, die man lange kommen sah, - an Kindheitstage, die noch unaufgeklärt sind, an die Eltern, die man kränken musste, wenn sie einem eine Freude brachten und man begriff sie nicht (es war eine Freude für einen anderen-), an Kinderkrankheiten, die so seltsam anheben mit so vielen tiefen und schweren Verwandlungen, an Tage in stillen, verhaltenen Stuben und an Morgen am Meer, an das Meer überhaupt, an Meere, an Reisenächte, die hoch dahinrauschten und mit allen Sternen flogen, - und es ist noch nicht genug, wenn man an alles das denken darf. Man muss Erinnerungen haben an viele Liebesnächte, von denen keine der anderen glich, an Schreie von Kreißenden und an leichte, weiße, schlafende Wöchnerinnen, die sich schließen. Aber auch bei Sterbenden muss man gewesen sein, muss bei Toten gesessen haben in der Stube mit dem offenen Fenster und den stoßweisen Geräuschen. Und es genügt auch noch nicht, dass man Erinnerungen hat. Man muss sie vergessen können, wenn es viele sind, und man muss die große Geduld haben, zu warten, dass sie wiederkommen, denn die Erinnerungen selbst sind es noch nicht. Erst wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, namenlos und nicht mehr zu unterscheiden von uns selbst, erst dann kann es geschehen, dass in einer sehr seltenen Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht."
(Auszug aus: Malte…)

Und wenn uns auch nur annähernd gelingt, was Rilke in seinem Text andeutet, dann lohnt sich unser Bemühen allemal!