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Gais - Impressionen

An den Schuttkegel des Bärentales sanft angeschmiegt, liegt, orographisch links der Ahr, das Dorf Gais. Der alte Siedlungskern heute noch nahezu ursprünglich erhalten, ein beeindruckendes Ensemble von alten Bauernhäusern, Mauer an Mauer, Dach an Dach, mit verwinkelten Fluchten und kleinen sonnigen Erkern. Und mitten drin die romanische Kirche, eine der schönsten des ganzen Landes. Über tausend Jahre ist sie alt, und sie trägt das Alter mit Würde.
Der Friedhof rundherum hat bisher gute Dienste getan, wird aber aufgrund des starken Zuzuges der letzten Jahre zu klein. Er muss erweitert werden um Platz zu schaffen für neue Gräber. Denn wo das Leben blüht, da ist auch der Tod nicht weit. An die Totenkapelle anschließend der Kirchplatz mit der alten Schule.
Der jüngere Teil des Dorfes entfaltet sich links und rechts der Talfriedenstraße. Ehemals Erlenbestand auf Pfarrgrund, eine Idylle an Wohnqualität mitten im Grün und trotzdem im Zentrum, weil nur 5 Km von Bruneck entfernt. Ein Gartendorf wie aus dem Bilderbuch. Wo findet man noch einen Flecken auf dieser Welt, der so großzügig angelegt und so reichlich mit Grün gesegnet ist. Ein Wunschtraum vieler Familien aus den umliegenden Tälern, vor allem aus dem Ahrntal. Dieser Siedlungsdruck hat auch schon die Grenzen einer sanften und der Tradition verpflichteten Dorfentwicklung aufgezeigt, wie uns das Beispiel Moargreit bildlich und eindringlich vor Augen führt. Wir sind Kinder des Wohlstands geworden, der blind macht für die Würde und Schlichtheit, für die Schönheit der gewachsenen Volkskultur.
Und da muss noch erwähnt werden der einmalige Spiel- und Freizeit – Park sowie die herrliche Sportzone im Norden, gegen das Gewerbegebiet hin. Zeugen eines pulsierenden, gesunden Lebens.
Umrahmt von zwei mächtigen Schlössern: im Norden Schloss Neuhaus, Wallfahrtsort und Herberge großer Dichter zugleich. Keine geringeren als Oswald von Wolkenstein und Ezra Pound haben hier ihre Spuren hinterlassen. Pounds Tochter Mary, das „Sama Moidile“, verdichtet in ihrem Buch „Diskretionen“ das Dorf Gais zu einem kleinen Paradies. Ihr gebührt das Verdienst, unser Dorf zumindest in akademisch–literarischen Kreisen weltweit bekannt gemacht zu haben.
Im Süden thront majestätisch die Kehlburg. Eine Ruine, inzwischen dem Verfall preisgegeben. Dabei hätte gerade sie alle Voraussetzungen, am Eingang ins Tauferertal zu einem Kulturzentrum ausgebaut zu werden. Am Südhang dieses Burghügels soll einst Wein gewachsen sein. Terrassen des Glücks, Zauber einer adligen Welt. Vergangenheit. Voll Wehmut ragen die Türme in den samtenen Himmel von Tesselberg. Die Kapelle bereits verkommen zu einem Stall.
Mitten durchs Dorf zieht, vom Mühlbach gespeist, das silberne Band des Dorfbachls. Segen einst und Fluch für das ganze Dorf: es treibt die Mühlen am Oberlauf, die Schmiede am Unterlauf. Dazwischen bleibt Phantasie für die Wasserräder der Kinder, und manch einer soll sogar die Wiege damit geschaukelt haben. Es pulsiert das Leben entlang dieses Bächleins im Zauber der Jahreszeiten, von der Geburt bis zum Tode. Fürwahr–es gibt Leben und Tod. Und wenn man genau hinhört, so erklingen die Lieder und Geschichten der waschenden Frauen aus früheren Zeiten.
Seit dem Jahr 2003 führen zwei Brücken über die Ahr und verbinden Gais mit der Hauptstraße ins Ahrntal oder nach Bruneck: die alte beim Gasthof Sonne und eine neue im Gewerbegebiet. Letztere nimmt den zunehmenden Schwerverkehr auf und trägt wesentlich zur Verkehrsberuhigung im Dorfe bei. Und so hat sich Gais inzwischen zu einem echten Anziehungspunkt für Erholung suchende Touristen, für Gäste aus Nah und Fern gemausert. Mit der Verwirklichung des Kultur.Weg(es).Gais wollen wir unser Dorf auch kulturell aufwerten und sowohl Einheimische als auch Gäste mit den berühmtesten Persönlichkeiten, die hier gelebt und/oder gewirkt haben, vertraut machen.


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