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Kulturherbst '19

Sacrificium

Ausstellung von Heinrich und Franz Bacher und dem zeitgenössischen Künstler Lois Anvidalfarei

Freitag, 2.08.2019 – 18 Uhr - ERÖFFNUNG - Pfarrheim Gais

Öffnungszeiten: 3.-24.8.2019 - 10-12 16-18 Uhr



SACRIFICIUM


Im August 2017 hat der Verein Kulturweg Gais einen auf mehrere Jahre angelegten Ausstellungszyklus zu Ehren der Gaisinger Bildhauer Heinrich und Franz Bacher begonnen. Unter dem Titel „Das verlorene Paradies“ wurden markante Werke der beiden Künstler in einen Dialog mit Werken der beiden zeitgenössischen Künstler Wil-ma Kammerer und Andreas Zingerle gebracht. 2018 war der zweite Teil des Zyklus` an der Reihe: Unter dem Titel „Morgen ist alles anders“ wurden Werke der Gebrüder Bacher mit Zeichnungen des Künstlers Gino Alberti konfrontiert. Der diesjährige dritte Teil trägt den Titel „Sacrificium“ und erneut werden Skulpturen und Zeichnungen von Heinrich und Franz Bacher den Werken eines zeitgenössischen Künstlers gegenübergestellt – diesmal des Gadertaler Bildhauers Lois Anvidalfarei. Der Titel „Sacrificium“ mag an die Opferung von Speisen und Tieren denken lassen, die Götter gnädig stimmen sollen, aber auch Assoziationen zum Opfertod Christi, dem „Lamm Gottes“, und zu anderen grausamen Opferritualen wecken. Zudem gibt es Opfer von Verkehrsunfällen, Krankheiten, Kriminalität und anderen „Schicksalsschlägen“, deren Sinnhaftigkeit sich uns nur schwer erschließt. Von uns Menschen werden aber auch aktive Opfer verlangt – etwa für den Schutz der Umwelt oder Geldspenden für dies und das. Aber die Opfer-Problematik muss noch weiter gefasst werden: Immer braucht es „Sündenböcke“, die alle Übel auf sich nehmen. Jugendliche benutzen heute das Schimpfwort „Du Opfer!“, wenn jemand Schwächen zeigt, Fehler macht - und bevorzugt in den sozialen Medien zum Freiwild wird. So weit, so schlecht. Bedenklich sind die aktuellen Trends, die die Gegensätze zwischen Tätern und Opfern verschärfen. Der Aufklärer Immanuel Kant forderte, jede und jeder sollte sich „seines eigenen Verstandes bedienen“, mündig werden und aufrecht gehen lernen. Seit dem Ende des Kalten Krieges vor 30 Jahren und dem umfassenden Sieg des „Neoliberalismus“ wird die Moderne gewissermaßen konterrevolutionär widerrufen: Unmündigkeit, Machtlosigkeit, Elend breiten sich aus, die Zahl der Opfer, der Zurückgesetzten und Leidenden nimmt zu. Dazu kommt, dass jeder denkt, er habe das Recht auf ein gutes, pralles Leben; wird es ihm verweigert, fühlt er sich als Opfer - zumindest der Verhältnisse oder irgendwelcher Sachzwänge. Und wirklich: Die Mächtigen und Reichen werden immer mächtiger und reicher, der Status quo stabilisiert sich, Veränderungen werden erschwert, Ressentiments begünstigt... Und es stellen sich eine Menge Fragen: • Opfern wir mit unserem luxuriösen Lebensstil und dem damit einhergehenden massiven Ressourcenverbrauch unsere Erde endgültig dem Mammon und zerstören unaufhaltsam die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel? Begreifen die Absurdität des „unbegrenzten Wachstums“ nur noch Kinder und Jugendliche wie Greta Thunberg? • Sind die afrikanischen Flüchtlinge, die zu Hunderttausenden in libyschen Lagern dahinvegetieren und im Mittelmeer ertrinken, Opfer unseres Lebensmodells, das aus purem Egoismus und zur Abschreckung die Grenzen dicht macht und nicht bereit ist, auch nur Krümel unseres Wohlstands abzugeben? • Sind (vor allem junge) Menschen, die den Freitod suchen, Opfer unseres „wirtschaftsliberalen“ Systems, des gnadenlosen Wettlaufs im kapitalistischen Hamsterrad, der nur Sieger und Verlierer kennt, Jäger und Gejagte im System der letztlich sinnlosen Profitmacherei? Im Werk der Gebrüder Bacher sind Opfer ein zentrales Thema, etwa die Pietà von Heinrich Bacher oder der „Gehängte“ von Franz Bacher. Auch im Werk von Lois Anvidalfarei ist das Opfer-Motiv sehr präsent, generell der geschundene Mensch, die leidende Kreatur, täglich verletzt durch kriegshetzerische, ökonomische und ökologische Verwerfungen. Die Kunst hat uns zum Thema Opfer eine Menge zu sagen – wir müssen nur hinschauen und hinhören.

Ausstellungskonzept und Organisation: Josef Duregger, Erna Holzer, Hans Peter Lercher, Alfred Mair, Albert Willeit

Ausstellungsgestaltung: Albert Willeit

Organisation AIR: Hans Peter Lercher

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